11.03.2020: Play 4 your rights: Gamification gegen Sexismus unter Jugendlichen

medien+bildung.com entwickelt mit internationalen Kooperationspartnern innovative Medienbildungsstrategien gegen Hate Speech.

Sexismus spielerisch bekämpfen: Anlässlich der Aktionen rund um den Weltfrauentag am 8. März startet die europäische Initiative “Play for your rights! Innovative media education strategies against sexism and discrimination” ("Spiel für deine Rechte! Innovative Medienerziehungsstrategien gegen Sexismus und Diskriminierung"). medien+bildung.com beteiligt sich als deutscher Kooperationspartner an dem Projekt. Ziel ist die Bekämpfung sexistischer Hassrede, die auf Stereotypen und geschlechtsspezifischer Diskriminierung unter Jugendlichen basiert, durch Bildungsstrategien für soziale Medien und Gamifizierungspraktiken. Für junge Menschen ist der spielerische Ansatz ein wirkungsvolles Lern- und Entwicklungsmittel: Der Ansatz fördert die Auseinandersetzung mit komplexen Phänomenen durch die Jugendlichen mit Kreativität und Fantasie.

Sexistische Hate Speech ist eine Form der Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aufrechterhält und verschärft. Es ist ein dringliches Problem, das auch in Schulen durch die Arbeit mit Lehrern, Mädchen und Jungen angegangen werden muss, um eine Kultur des Respekts, der Inklusion und der Gleichberechtigung aufzubauen. Teenager sind tatsächlich in besonderem Maße dem Online-Mobbing ausgesetzt und Frauen sind die Hauptopfer von Gewalt: Der Bericht “Cyber violence against women and girls” (2017) des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) hebt hervor, dass „Frauen im Vergleich zu Männern unverhältnismäßig stark von speziellen Arten der Cyber-Gewalt betroffen sind. In einer Umfrage unter mehr als 9.000 deutschen Internetnutzern im Alter von 10 bis 50 Jahren wurden beispielsweise Frauen deutlich häufiger als Männer Opfer von sexueller Belästigung im Internet und von Cyber-Stalking, und die Auswirkungen dieser Formen von Gewalt waren für die Opfer traumatischer”. Obwohl sexistische Hate Speech durch das Internet eine neue Dimension erhalten hat, sind ihre Grundursachen der Technologie vorgelagert und hängen wesentlich mit den anhaltenden ungleichen Machtverhältnissen zwischen Frauen und Männern zusammen.

Sexistische Hate Speech nimmt sowohl online als auch offline viele unterschiedliche Formen an. Darunter fallen insbesondere Täter-Opfer-Umkehr und erneute Schikane, Slut Shaming, Body Shaming, Revenge Porn (das Teilen expliziter oder sexueller Bilder ohne Zustimmung), brutale und sexualisierte Todes-, Vergewaltigungs- und Gewaltandrohungen, beleidigende Kommentare über Aussehen, Sexualität, sexuelle Orientierung oder Geschlechterrollen, aber auch falsche Komplimente oder vermeintliche Witze, die Humor einsetzen, um ein Opfer zu demütigen und lächerlich zu machen (Quelle: Europarat; Combatting hate speech - factsheets 2016).

Das Projekt "Play4 your rights" bündelt verschiedene Kompetenzen und Expertisen im Bereich Frauenrechte und Medienerziehung von sechs Partnern aus vier europäischen Ländern: COSPE, Casa delle donne per non subire violenza, und Centro Zaffiria aus Italien, Mediterranean Institute of Gender Studies (MIGS) aus Zypern, Women's Issues Information Center aus Litauen sowie medien+bildung.com aus Deutschland. Unterstützt wird das Projekt durch das Programm Erasmus der EU.

Im Fokus des Projekts steht die innovative Nutzung von Medien und Gaming: Insbesondere sind digitale Spiele und Gamification als Aktionsstrategie Hilfsmittel, um Jugendliche aktiv in Prozesse einzubinden, die Gegen-Narrative entwickeln. Diese Gegenerzählungen wiederum dekonstruieren Geschlechterstereotypen und Mobbing sowie sexistische Hassrede und Gewalt, die in Zusammenhang mit diesen Stereotypen stehen.

Zwei Spiele werden produziert und in Schulen getestet: Zum einen das Spiel “Strategische Reaktion”, ein Ad-hoc-Kartenspiel, bei dem man gewinnt, indem man positive Lösungen für Hate Speech findet. Zum anderen ein “Stadtspiel” oder sogenanntes “Urban Game”: Dieses beginnt mit einer Geschichte oder Erzählung einer Figur. Wie in einem Videospiel mussen davon ausgehend verschiedene Schritte in unterschiedlichen Schwierigkeitslevels erfolgreich durchlaufen werden, um eine Mission zu erfüllen. Das Spiel wird von Expert*innen zusammen mit Schüler*innen der beteiligten Schulen entworfen und in ihren jeweiligen geographischen und sozialen Kontext gestellt.

Am Ende des Projekts werden die produzierten Materialien zusammen mit einem Handbuch und einer App für Lehrer*innen und Erzieher*innen kostenlos online zur Verfügung stehen. Außerdem werden Kommunikationsaktivitäten auf nationaler und europäischer Ebene mit dem Ziel gefördert, Hate Speech und Geschlechterstereotypen zu bekämpfen.

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Julia Kleiner
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