
Radio B66 live im Museum
Probieren Sie das mal: Die Zunge bleibt wie festgenagelt am Oberkiefer kleben; und jetzt möglichst verständlich sprechen! Beim Sprechtechnik-Workshop mit der Logopädin Kristin Weigmann gehörte das noch zu den leichteren Übungen. Teilnehmer/innen zwischen 18 Jahren und Mitte 70 waren gekommen, um sich auf eine spezielle „Sprechrolle“ vorzubereiten: Die gemeinsame Produktion von Radiobeiträgen. Junge und Alte kannten sich vorher nicht, sollten aber im Verlaufe des Workshoptages einzeln auf der Bühne Texte vortragen, gestisch begleiten, ja schließlich vorsingen! Alle meisterten diese Prüfung nicht nur mit Bravour, sondern hatten ihren Spaß dabei und lernten Einiges über ihr Sprechorgan.
Die aktiven Senior/innen sind Teilnehmer/innen von Veranstaltungen der Ludwigshafener Seniorenförderung, die radioerfahrenen Jugendlichen arbeiten bei verschiedenen Radiogruppen von medien+bildung.com in Ludwigshafener Schulen mit. Katrin Kirchner von der Seniorenförderung der Stadt und Hans-Uwe Daumann von m+b hatten sich vorgenommen, ein Generationen übergreifendes Radioprojekt zu initiieren. „Radio B66“ (nach dem Ort des Workshops, der Benckiserstraße 66) startete mit Sprechübungen; eine Woche später wurde es schon ernst: Ihren ersten Einsatz hatten die gemischten Teams bei einer Kunstaktion im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum.
In der Malwerkstatt des Museums waren ebenfalls Jung-Alt-Tandems am Werk: Partner/innen malbegeisterter Senior/innen waren hier allerdings Kinder im Vor- und Grundschulalter. Jedes Paar nahm sich ein bekanntes Ludwigshafener Motiv vor, um es in zwei unterschiedlichen „Stilen“ zu malen. Wie unterscheiden sich die Kinder- von den Erwachsenenbildern? Wer entscheidet über das Motiv, wer wählt die Farben, wie tauschen sich die jüngeren mit den älteren Künstler/innen aus? Genug Stoff für viele neugierige Fragen und eine Radioreportage, die das erste Produkt von „Radio B66“ werden sollte.
Jens Schneider (19) und Frau Böll (70+) waren eins der Reporterteams bei der Kunstaktion. Jens ist der „Chefsprecher“ des S.O.S.-Radios im Heinrich-Böll-Gymnasium und hat u. A. einen Preis als Nachwuchsmoderator gewonnen. Frau Böll ist journalistisch bisher völlig unbeleckt, nichtsdestotrotz gingen sie mit Feuereifer zur Sache. Jens konzentrierte sich bald auf die Aufnahmetechnik und die Tonkontrolle, während Frau Böll als Fragenstellerin über sich hinauswuchs. Auch die anderen Reporterteams waren eifrig bei der Sache, keiner der etwa 50 Teilnehmer/innen beider Malaktionstage blieb am Ende ungefragt, genauso wenig wie die Maldozentin und alle Organisatorinnen im Hintergrund. Die gesammelten „O-Töne“ und die „Atmo-Aufnahmen“ liegen nun auf einem Rechner im Haus der Medienbildung von medien+bildung.com und warten auf die zweite Phase: Wenn Junge und Alte von Radio B66 gemeinsam den ersten Beitrag schneiden. Bisher lief das Projekt prima, und die Initiator/innen sind überzeugt: „Beide Lebensalter können voneinander lernen; die Älteren von den Jungen ganz sicher viel über selbstverständlichen Technikumgang, aber auch die Jüngeren profitieren von den Senior/innen im Team.“





